Start unter dem Sattel


Ausbildung heißt, das zu lernen,

von dem du nicht einmal wusstest, dass du es nicht wusstest.

Zitat von Ralph Waldo Emerson, USA 1803 - 1882

Philosoph und Schriftsteller


Appaloosa Old-Line Sport Horse

Wie "jung" ist "zu jung"?

Diese Frage führt sehr oft zu hitzigen Debatten unter Pferdeleuten. Jeder Einzelne beansprucht sein Recht gehört zu werden und mit seiner Meinung richtig zu liegen. Sei es durch Hören und Sagen oder weil das Pferd keine sichtbaren Schäden zeigt.


ABER ... zu "jung" ist "zu jung", wenn der physische "Wachstumsprozess" eines Pferdes nicht ausgereift ist. Zu "jung" ist "zu jung", wenn der psyschiche Verarbeitungsprozess noch zu ungeeignet ist, um Abläufe und Zusammenhänge mental und folgerichtig verarbeiten zu können.


Rechtfertigungen finden sich beim Anreiten junger Pferde mit Schlagworten wie ... das 2-Jährige Pferd wird mit Geduld, Vorsicht und Verständnis geritten. Sobald mit Gewicht - mehr als Sattel - auf dem Pferd gearbeitet wird, sind diese Schlagwörter obsolet und bleiben damit unreflektierte Phrasen.


Eine besonders beliebte Rechtfertigung findet sich auch in dem Schlagwort "FRÜHREIF". Frühreif wird den Vollblütern gerne unterschoben, weswegen diese mit 1.5 Jahren eingeritten werden und 2-Jährig ihre Bahnrunden laufen; Profit auf Kosten der Tiergesundheit. Wenn Vollblüter also in so jungen Jahren frühreif sind, würde das für deren Wirbelsäule bedeuten, dass diese bereits mit zwei Jahren vollständig ausgereift ist, anstatt mit sechs Jahren. Zu berücksichtigen ist dabei die Tatsache, dass die Wirbelsäule zum längsten Entwicklungsprozess eines Pferdes gehört, wodurch sich alle anderen Wachstumsphasen des Vollblüters nach unten verschieben oder angleichen würden.


Pferderassen und Pferde durchlaufen individuelle Prozesse.

Aber sind diese Prozesse so gravierend unterschiedlich?


Anhand der menschlich produzierten Erkrankungen des Bewegungsapparates und den patologischen Geisteszuständen vieler Pferde, wurden viele Jobs geschaffen, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten und sichern.


Je mehr gesunde Pferde dem Markt zur Verfügung stehen, desto höher werden die Arbeitslosenzahlen in den dafür eigens geschaffenen Berufszweigen.



Im Sinne des Pferdes sollte sich jeder die Zeit nehmen, auf diesem Gebiet selbst zu recherchieren. Mit klarem Verstand und Logik jedes gesprochene und geschriebene Wort abzuwägen und zu hinterfragen. Dazu gehört auch, sich mit dem Pferd wie auch mit seiner Anatomie und seinen Wachstumsphasen auseinanderzusetzen bevor mit dem Anreiten begonnen wird.


Jeder, der im Besitz eines Jungpferdes ist, fiebert dem Tag entgegen, an dem es geritten werden kann. Hierbei kann sich falsche Ungeduld sehr schädlich auf das Pferd auswirken. Der Grundstein für Defekte wird in Zeiten verfrühter Anreitphasen gelegt, deren Folgen sich erst Jahre später in Form von Bewegungseinschränkungen und Schmerzen manifestieren.



Zeitpunkt - anreiten von Jungpferden

Wann sollte ein Pferd angeritten werden?

Wann muss ein Pferd unter dem Sattel sein?

Wie alt sollte ein Pferd sein, bevor es unter den Sattel kommt? Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein Pferd unter den Sattel zu bringen?


Mit solchen oder ähnlichen Fragen werden wir in aller Regelmäßigkeit konfrontiert.




Die absolute Wahrheit liegt in der Vollendung der Wachstumsphasen,

die wissenschaftlich belegt sind.





Entwicklung von Wachstumsplatten bei einem Pferd


Pferde und ihre heutige Rolle als Kommerz-Objekte


Die heutigen Jungpferde sehen fast alle wie fertige Pferde aus, weil sie entsprechend mit Kraftfutter hochgefüttert werden. Falsche Fütterung führte leider auch zu genetischen Veränderungen.


Das Auge gewöhnt sich immer mehr daran und so werden 3-Jährige mit 2-Jährigen und 2-Jährige mit Jährlingen verglichen. Langsam wachsende Fohlen und Jungpferde schaden dem Absatz, dem eigenen Ego, den eigenen Zielen, Wünschen und dem Geldbeutel. Deswegen müssen Jungpferde, so wie auch Fohlen/Absetzer, wie kleine erwachsene Pferde aussehen.


Knochen, Sehnen und Bänder sind aber dennoch im Wachstumsprozess und es fehlt an Stabilität und Festigkeit. Der Geist ist nicht ausgereift und die Kindheit verloren.


Vermehrt setzt sich die Ansicht durch, dass das Anreiten von Pferden zwischen 3 - 3.5 Jahren, aufgrund ihrer körperlichen und geistigen Unreife, keine gute Idee ist. Wenn man sich nun die zeitlichen Aufbauphasen der Skelettstruktur eines Pferdes zu Gemüte führt, so erkennt man schnell, dass alles was unter 6-Jährig unter den Sattel mit Reitergewicht soll, generell keine gute Idee ist, da der Skelettaufbau eines Pferdes erst mit dem sechsten Lebensjahr vollständig abgeschlossen ist.


Aus diesem Grund belasten vernünftige und vorausschauende Pferdemenschen ihre Tiere nicht mehr vor dem fünften und sechsten Lebensjahr. Dies vor allem, um damit die Lebensdauer und Lebensqualität des Pferdes auf lange Sicht zu erhalten.


Das Anreiten wird zu Gunsten des Pferdes nach körperlicher und geistiger Reife entschieden und nicht nach einem Stichtag oder Gongschlag beim erreichen des 3. oder 4. Geburtstagsjahres.



Knie und Co.

Unabhängig vom Alter des Pferdes ist es wichtig, kein Pferd zu reiten, dessen Kniewachstum noch nicht abgschlossen ist. Wenn das Kniewachstum des Pferdes nicht abgeschlossen ist, bedeutet dies, dass sich die Knie nicht vollständig entwickelt haben und extrem anfällig für Schäden sind, die durch zu starken Druck auf die Gelenke entstehen können. Wenn Pferde zu früh geritten werden, schädigt das Gelenke und Gesundheit, wodurch das Pferd für den Rest seines Lebens in irgendeiner Weise beeinträchtigt sein würde.

Die Knochen eines 2-Jährigen Pferdes sind weder vollständig geformt, noch kräftig genug und deswegen nicht dafür ausgelegt, ein Gewicht in so jungen Jahren tragen zu können und zu müssen. Die Evolution hat den ungeduldigen und rücksichtslosen Menschen dabei nicht eingeplant. Zu frühe Belastung verursacht nicht nur sämtliche Arten von Gelenkproblemen, sondern legt auch die Weichen für eine mentale Überforderung.


Deswegen sind gerade hochgefütterte Jungpferde besonders gefährdet, zu früh unter den Sattel und Menschen zu müssen. Nebst dem Menschen müssen sie auch noch ihr überhöhtes Eigengewicht auf den Gelenkkapseln tragen.


Langsam wachsende Jungpferde folgen natürlichen Wachstumsphasen und lassen ihren Gelenken Zeit, sich für mehr Gewicht zu festigen. Der Mensch greift aus egoistischen oder so genannten gut gemeinten Gründen in die Wachstumsprozesse mit Hilfe von Wachstumsbeschleunigern in form von Kraftfutterrationen und anderen Zusatzstoffen ab Fohlengeburt beliebig ein. Das Knochenwachstum wird zu unnatürlichen Schüben animiert und wirkt sich entsprechend auch auf den gesamten Organismus des Jungpferdes aus.



Old-School! Alte Schule!

"Alte Hasen" schauten sich die Knie eines Pferdes an, um zu entscheiden, ob die Pferde startbereit für den Sattel waren. Durch erfühlen des Verschlusses der Epiphysenfugen, wo die terminalen Enden der langen Knochen vom Knorpel zum Knochen übergehen, entschied der "Alte Hase" seinen Belastungszeitpunkt. Waren die Fugen geschlossen oder kurz vor dem Schließen, war dies ein Indikator dafür, dass die Beine des Pferdes stark genug waren, um das Pferd unter den Sattel zu nehmen.


Die langen Knochen zählen zu den relativ früh entwickelten Skelettstrukturen und reifen im Alter zwischen drei und vier Jahren beim Pferd. Zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr ist das Skelettsystem eines Pferdes etwa ausgereift. Der letzte und wichtigste Reifeprozess ist die Wirbelsäule des Pferdes. Die Wirbelgelenke erreichen erst im Alter von fünf bis sechs Jahren ihre volle Festigkeit und Kraft.


Außerdem sind die Wirbel nicht dafür ausgelegt, vertikale Kräfte in Form von Druck zu tragen. Ein Reitergewicht auf eine unreife Wirbelsäule zu packen, kann auf lange Sicht gesehen für den Rücken eines Pferdes weitaus schädlicher sein als für seine Beine.



Wenn es nicht so komisch aussehen würde, könnten Rückenprobleme vermieden werden, wenn man anstatt auf dem Rücken, auf dem Hinterteil seines Pferdes sitzen würde.



Viele bringen ihre Pferde lieber früh unter den Sattel, weil sie der Meinung sind, dass sie den ungereiften jungen Geist eines Pferdes besser brechen und formen können, bevor die Pferde zu stark im Kopf werden, weil sie ihre eigenen Gewohnheiten bereits entwickelt haben.



Aber ist dem wirklich so?

Könnte es auch nur eine meinungsbildende Vorgabe sein, um das Anreiten junger Pferde besser rechtfertigen zu können? Sei es aus eigenen reiterlichen Defiziten, sei es zum Schutze der Finanzen, sei es den "Euro-Fresser" Pferd einfach nur schnellst möglichst und effizient nutzen zu wollen, sei es aus der Ungeduld heraus, sei es dem Nichtwissen oder Imitieren geschuldet .... es gibt viele Argumente, sein Pferd verfrüht anreiten zu können ohne sich darüber Gedanken oder sogar ein schlechtes Gewissen machen zu müssen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.



Macht der Mensch sich seine Welt, wie sie ihm gefällt?

Körperliche, geistige und seelische Schäden werden in Kauf genommen. Der kindliche Geist eines Pferdes wird genutzt, um lang ersehnte Ziele zu realisieren oder um sie hörig und willig zu machen.


Ein junges Pferd, dem seine Kindheit genommen wurde,

wird sich diese irgendwann zurück holen.


Sind Jungpferde wirklich einfacher zu brechen und gereifte Pferde schwierig?

Weder gelten derartige Generalisierungen für "Alte Hasen", noch teilen sie diese Meinung. Ältere Pferde sind keineswegs schwieriger beim Anreiten, sondern eher ruhiger und hinterfragen weniger. Aufgrund eigener Erfahrungen können wir das nur bestätigen.


Diese "Alten Hasen" erzählen von Pferden, die im hohen Alter einfacher zu reiten und in vielem umgänglicher als Jungpferde waren. Als Grund nennen sie die Unkonzentriertheit und Schusseligkeit bei Jungpferden und stellen die erworbene Lebenserfahrung bei älteren Pferden vorteilhaft gegenüber, die deswegen eher dazu neigen, die Dinge ruhiger in Angriff zu nehmen. Sie erinnern sich schwärmend an Hengste und Stuten die im hohen Alter (17+/-) erst angeritten wurden und aus ihrer Sicht die einfachsten und besten Pferde gewesen seien ... und das ohne vorausgegangener Ausbildung.


Natürlich ist das nicht auf den Pferdesport bezogen. Aber vielleicht gibt es auch dort ähnliche Erfahrungen. Distanzpferde und Springpferde wurden zu früheren Zeiten von Pferdemenschen erst ab 7-Jährig an das Sporttraining herangeführt. Vielleicht genau aus dem Grund, weil das Wissen bezogen auf den Wachstums- und Reifeprozess bei diesen Menschen noch vorhanden war.


Auch wir haben Beispiele dazu und Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht.



Zahnwechsel

Auch der Zahnwechsel spielt bei der Ausbildung eines Jungpferdes eine nicht zu unterschätzende Rolle.


Mit ca. 2,5 Jahren beginnt der Zahnwechsel eines Pferdes und ist meistens erst mit 5 Jahren abgeschlossen. Im gleichen Zeitraum müssen sich die Jungpferde-in der Regel einer Ausbildung unterziehen und werden an ihre Aufgaben als Reitpferde herangeführt.


Der Zahnwechsel deckt sich fast zeitgleich mit den Wachstumsphasen der Skelettstruktur, die mit dem 6. Lebensjahr abgeschlossen ist. Während dieser Zeit sind die Jungpferde zusätzlich mit ihrem Zahnwechsel so sehr beschäftigt, dass auch das Immunsystem an Stabilität verlieren wird. Ein weiterer Faktor ist der Stresspegel, der beim Zahnwechsel sensibel ansteigen und durch Aufzäumung jeglicher Art zu unnötigen Auseinandersetzungen führen kann, die jedoch nur auf Schmerzsituationen zurückzuführen sind.


Jede Art von Zäumung kann während dem Zahnwechsel zu Schmerzen und damit zu Unbehagen führen. Die Wahl, ob mit oder ohne Gebiss spielt hierbei keine Rolle. Während dem Zahnen können selbst eng anliegende Halfter äußerst unangenehm in dieser Zeit für das Jungpferd sein, da diese Partien besonders berührungsempfindlich sind. So ist es einleuchtend, dass Gebisse während einem Zahnwechsel nicht wirklich förderlich sein können .


Pferde die während 2.5 und 5 Jahren ausgebildet werden, können sich infolges des Zahnwechsel untypisch verhalten und werden dadurch voreilig als widerspenstig, launisch oder arbeitsunwillig beurteilt. Liebe und gutmütige Exemplare erdulden hingegen den Schmerz und dienen dem Menschen bereitwillig. Der Schein trügt. Erinnern wir uns an unseren eigenen Zahnwechsel in Kinderzeit zurück, dann spüren wir vielleicht auch heute noch das unangenehme Gefühl, wenn der lockere Zahn auf Dinge im Mond gestoßen ist, die unvermeidbar waren, weil sie zur täglichen Nahrungsaufnahme dienten.


Seinem Pferd vor, während und nach der Ausbildung ins Maul zu schauen, sollte absolute Pflicht für diejenigen sein, die dem Pferd keine Zeit zum Reifen gönnen.



Ein gut vorbereitetes Pferd wird beim Anreiten keine Probleme machen


Es gibt so gut wie nichts, was mit einem gerittenen Pferd gemacht werden kann, was mit einem rohen Pferd nicht auch gemacht werden könnte, außer diese schönen Geschöpfe zu reiten. Mit einem jungen Pferd vom Boden aus zu arbeiten zahlt sich immer aus.


Zeit vergeht schnell. Diese Zeit kann zum Vertrauensaufbau genutzt werden. Es gibt sehr viele Möglichkeiten mit seinem jungen Pferd die gemeinsame Zeit zu gestalten und zu genießen. Besonders ein intensiver Kontakt zum Pferd kann vieles beim späteren Einreiten erleichtern. Ein Pferd, dass den Menschen kaum kennt, sollte erst einmal den Menschen kennen und akzeptieren lernen, bevor mit dem Anreiten begonnen wird.

Bodenarbeit, Doppel-Longe und auch das Frei-Longieren zählen zu einer guten Vorbereitung. Kopftraining und Spaziergänge sind das Yin und Yang und tragen zu einer festen Bindung bei. Abwechslungsreiche Beschäftigung und Ablenkung sind für Mensch und Tier sinnvoll.


Wenn Jungpferde physisch und psychisch nicht überfordert werden, bleiben Bocken und Buckeln in der Regel beim Anreiten aus. Junge Pferde haben anfänglich noch Probleme mit der Balance, wenn der Reiter im Sattel sitzt und vermeiden bocken und buckeln. . Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.


Sobald das Gleichgewicht vorhanden ist, können Freudenhüpfer während der Trainingsphasen natürlich vorkommen, aber bocken und buckeln sind uns eher nicht bekannt. Testphasen, die von jedem Lebewesen angewendet werden und zum Leben dazu gehören, kann es immer wieder geben.


Entwicklungsgerechtes Anreiten nach Leistungstand


Die Zauberwörter sind Geduld und Zeit. Wer seinem Pferd die Zeit gibt, wird seine Reifeschritte beobachten können. Gesundes Wachstum von Körper, Geist und Seele werden einen starken und vitalen Reitpartner hervorbringen, der uns gücklich und zufrieden bis weit in die Zukunft begleiten und tragen wird.


Ein Jungpferd kann bestens für die gewünschte Ausbildungsrichtung vorbereitet werden, bevor in den Sattel gestiegen wird. Menschenkontakt, Führigkeit und Hufpflege sind wichtig und fördern die soziale Bindung zum Menschen. Was Erziehung und Ausbildung vom Boden aus betrifft: immer behutsam, liebevoll, vertrauensvoll, zeitlich begrenzt, spielerisch und der Laune des tierischen Partners entsprechend ergibt die Basis für eine tiefe und langlebige Partnerschaft.



Wir wollen dafür Sorge tragen, dass wir das Jungpferd nicht verdrießen

und ihm seine freundliche Anmut nicht vertreiben, denn diese gleicht dem Blütenduft, der niemals wiederkehrt, wenn er einmal verflogen ist.

Antoine de Pluvi



Geben wir unseren Pferden die Zeit, die sie benötigen.

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